Mit sieben fiel ich aus dem Paradies

   03/19/2015

Eigentlich schon mit fünf und noch eigentlicher schon mit zwei, aber bewusst mit sieben. Da verließ mich meine beste Freundin, mit der ich von Geburt an täglich zusammen war, weil auch unsere Mütter beste Freundinnen waren. Sie wanderte mit ihrer Familie nach Israel aus und überließ mich schutzlos der Horde Grund-schulkinder, die mit der Muttermilch den Antisemitismus bekommen, wie ich von meinem Vater gelernt hatte. Die Jahre, die dann folgten, waren nicht lustig.

Schlechter Start.
Oder großes Glück.

Bis ich auf das Gymnasium kam, hatte ich gelernt, mich selbst zu beschützen, mich abzugrenzen, meinen eigenen Weg zu gehen, niemanden zu brauchen und zu vergessen, dass unter dem strahlenden Lachen und den vielen vielen Haaren ein schüchternes Wesen wohnt.
Das hatte seine Auswirkungen. Ich konnte nirgendwo richtig ankommen, mich nicht zugehörig fühlen und lebte in dem Gefühl, alleine durchs Leben zu gehen. Traurig war ich oft und müde. Ich musste viel allein sein, denn es strengte mich an, diese Zustände zu verbergen.
Wenn doch aber alles leer ist und nichts durch sich selbst wesenhaft, wenn dieses Ich einfach nur energetisches Potential enthält und erst durch das Bewusstsein eines Beobachters Form erhält, wer oder was hat dann seine eigene Einsamkeit in mir gesehen, dass sie sich zu einem Wesen verdichtete?
Die Antwort war nicht schwer zu finden als Kind von Eltern, die den Holocaust überlebt haben. Als ich dann aber auf eine schamanische Reise ging, um ihnen das Päckchen zurückzugeben, das nicht meines war, fand ich mich beladen mit schweren Tüten, die vollgestopft waren mit der Jahrtausende alten Verlassenheit meiner Ahnen, unerwünschte Seelen in einer unwirtlichen Welt.
Ich stellte die Tüten erst mal ab wo ich stand. Sie waren einfach zu schwer. Wem bitte genau sollte ich sie zurückgeben? Ich versuchte sie stehen zu lassen und wegzugehen, nur um gleich wieder zurückzurennen und schluchzend die prall mit Angst gefüllten Tüten in die Arme zu schließen. Aber alles ist leer. Identität ist Illusion.
Als ich den Blick wieder hob, stand da Jesus. War er nicht eigentlich Jude und hatte sich bereit erklärt unser aller Last auf seinen Schultern zu tragen? Ich gab ihm die Tüten und er hängte sie ans Kreuz, zu all den anderen, die da schon hingen, und kicherte sich eins.
Ich schaute nicht zurück. Mein Liebster hatte meine Schritte bewacht und jetzt, auf dem Rückweg, gesellte er sich zu all den Menschen, die ich mir in die Leerheit gestellt habe. Und wir standen im Kreis, verbunden, vereint.

Alles was scheinbar weh tut,
ist ein Kraftpotential.

Der Blick in die Leerheit kann manchmal schmerzhaft sein, aber er macht wach und präsent und dann geschieht das Wunder.
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Ich helfe euch gerne auf den Weg.
Gehen müsst ihr ihn dann selbst.

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